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Shed live / dj

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Shed ist ein Macher, ein lebendes Beispiel dafür, wie man sich als Produzent von elektronischer Musik immer neu erfinden kann. Dabei hängt er sein Studio-Mäntelchen nicht in die Windrichtung des gerade hippen Sounds. Der Berliner Musiker ist vielmehr tief verwurzelt im Glauben an Techno und die Kraft dieser Musik. Bei der Erfindung war er nicht dabei. Viel zu jung einerseits und geografisch viel zu weit, sog er Anfang der 1990er Jahre diese neue Musik am Radio in sich auf. 15 Jahre war er damals alt. Geboren wurde Shed in Frankfurt/Oder. Die zeitliche und örtliche Distanz, das Unwissen um verschiedene Entstehungsorte, Befindlichkeiten und Cliquen, ermöglichten ihm, sich dieser neuen Musik ganz und gar in ihrer reinsten Form zu nähern und sie Schritt für Schritt zu verstehen. Music is music. Das ist nicht nur eine immer noch gültige Wahrheit, sondern zufällig auch der vielleicht prägnanteste Sager von Monika Dietl. Sie war mit die erste, die Techno-Musik ins Berliner Radio brachte, und wie kein anderer DJ ihre Ohren nie an der Vergangenheit, sondern immer an der Zukunft hatte. So spielte sie keine käsigen Disco-Klassiker, sondern frische Tracks aus Detroit und Chicago, feierte Holland-Techno genauso wie alles was dank dem englischen Summer Of Love auf Vinyl gepresst und in unsere Richtung gespült wurde. Sheds musikalische Sozialisation ist davon nicht weit entfernt. Bei der Sample-Infizierte UK-Hardcore-Szene klickt es bei ihm unwiderruflich, er streift kurz Gabba, um dann über das holländische Label DjaxUp Chicago schließlich Detroit für sich zu entdecken. Im ewig währenden Dreieck der Faszination aus Beats, Samples und Breaks beschreibt Shed heute 1995/96 als seine persönliche Hochzeit des Techno.
Diese Liebe zum Ursprung, für eine Zeit, in der die Weichen noch nicht endgültig gestellt waren, hört man deutlich auf seinem zweiten Album für Ostgut Ton. „The Traveller“ pflegt nicht das gediegene DJ-Tool, sondern setzt vielmehr auf das, womit sich uns elektronische Tanzmusik damals so nachdrücklich empfohlen hat: Leidenschaft, Überraschung und dem Wunsch, Produzent und seine Maschinen an die gemeinsamen Grenzen zu bringen. Entsprechend sensibel reagierte Shed auf die zunehmende Kommerzialisierung „seiner“ Musik in den 90ern. Zwischen 1998 und 2002 kaufte er keine einzige Platte.
Losgelassen hat ihn die Musik aber dennoch auch in dieser Zeit nie. Vielmehr nutze er die Phase ohne Parties und Platten, um sich langsam an eigene Produktionen heranzutasten. Um die Jahrtausendwende herum werden aus Experimenten die ersten richtigen Tracks, die all das in sich vereinen, was er in den letzten Jahren so schmerzlich vermisst hat. "Ich bin ein Techno-Kind, durch und durch", sagt er dazu und lacht. Als er sich schließlich dafür entscheidet, Demos zu verschicken, ist das eigene Label der nächste Schritt. "Das selber zu machen ... von A bis Z ... plötzlich hab ich gemerkt, wie wichtig mir das war."
Der Rest ist schnell erzählt. Seine erste EP auf seinem Label Soloaction verkauft sich gut, Veröffentlichungen auf dem holländischen Label Delsin folgen. Je öfter Shed nachlegt, je mehr er releast, umso klarer wird die musikalische Vision: Fließend, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, verschmelzen hier rauhe, fordernde Dancefloor-Skelette mit bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Melodiebögen, gnadenlos mitreißenden Hooks und luftigen Arrangements. Eine Formel, die man auch in seinen DJ- und Live-Gigs zu spüren bekommt. Spannungsbögen, ein stetiges Auf und Ab, immer bestimmt von einem nicht enden wollenden Groove. Wie damals, in den Gründertagen der Musik, die heute Teil unserer Alltagskultur ist.
2008 veröffentlicht er schließlich sein erstes Album. „Shedding The Past“ auf Ostgut Ton ist auch heute noch ein Monolith, ein musikalisches Statement der besonderen Art. Bei ihm persönlich hat es außerdem einen neuen Hebel umgelegt. Kaum ist das Album erschienen, schickt er zwei neue Labels ins Rennen. Auf „Wax“ und „Equalized“ releast er still, leise und komplett anonym eine Dancefloor-Hymne nach der nächsten. Eine wichtige Phase, denn erst so konnte er sich auf „The Traveller“ konzentrieren, das seine kompromisslosesten und radikalsten Tracks bündelt. Bis jetzt jedenfalls ...

english version

All times classics

Future Sound Of London: Papua New Guinea
808 State: Pacific
Aphex Twin: Analogue Bubblebath II
Naomi Daniel: Stars
Dionne: Images
Luke Slater: X- Tront Vol.2
Altern 8: Infiltrate 202
Acid Scout: 4 Degrees
Surburban Hell: Shell Shock
Jeff Mills: Humana

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