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Sven Marquardt photographer

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„Jedes Foto von Sven Marquardt läutet den Herbst ein“, bemerkte Christoph Tannert, Geschäftsführer des Künstlerhaus Bethanien, einmal treffend. Marquardts Arbeiten vereinen formale Strenge und klare Bildsprache mit düsterer Vergänglichkeit, bestechen durch ein Zusammenspiel von Leichtigkeit und Schwere, die Dramatik des Kontrasts aus Schwarz und Weiß. Die sich im stetigen Wandel befindliche Großstadt Berlin hat seinen Blick für markante Charaktere, sein Gespür für das Besondere im Menschlichen und sein fotografisches Sujet geprägt.

Geboren 1962 in Ost-Berlin war Sven Marquardt ab Mitte der 1980er Jahre prägender Teil der aufkeimenden Punk-, New Wave- und Kunstszene Prenzlauer Bergs. Mit dem Mauerfall ließ er seine Arbeit als Fotograf ruhen und tauchte in die sich neu formierende Clubszene Berlins ein, ab Ende der 1990er prägte ihn das Thema der ‚Nacht‘ durch seine Tätigkeit als Türsteher des Clubs Ostgut. Seit 2004 steht Marquardt an der Berghaintür, maßgeblich beteiligt ist er seit 2007 am Erscheinungsbild des Labels Ostgut Ton. 2010 erschien sein erster Bildband Zukünftig Vergangen, gefolgt von Heiland und Wild Verschlossen (alle Mitteldeutscher Verlag), 2014 die Autobiografie Die Nacht ist Leben (Ullstein Extra).

Bis heute gilt Marquardt als einziger Ost-Berliner Fotograf, der die Traditionslinie Arno Fischers und Sibylle Bergemanns mit einem gierigen Fashionakzent zu verbinden und in zeitgenössische Kooperationen mit Modelinien wie Hugo Boss und Levi’s oder dem Goethe Institut zu übersetzen weiß. Marquardts Blick erschafft suggestive Kontraste, die durch seine wohlüberlegten Kompositionen in unauflösbarer Spannung gehalten werden. Ausschlaggebend dafür ist die ausschließliche Nutzung analoger Kameras bei natürlichem Tageslicht, die herausfordernden Blicke, die inszenierten, vibrierenden Halbakte und das symbiotische Spiel symbolischer Posen und Accessoires seiner Motive.

Marquardts fotografisches Werk hat die kapitalen gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen seiner Zeit überdauert, von denen es sich heute, mehr denn je, unabhängig zeigt. Es wirkt zeitlos, die tiefer liegenden Inhalte seiner Bilder lassen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen – fixierte Transformationen und Erneuerungen, wie es sich bereits in einem der ältesten Symbole der Menschheit widerspiegelt: der Schlange, die sich häutet.

Das Bild spielt mit der Idee, dass Wesen sich transformieren und verschiedene Gestalten annehmen können; anders formuliert: dass sich in ihnen mehr verbirgt als das, was die Oberfläche vermittelt.

Das Statuarische der Bilder vermittelt deren explosive Energie unterschwellig, dafür umso eindringlicher, indem sie an Unterbewusstes, bisweilen sogar Archaisches, appellieren. Ihre vermeintliche Selbstverständlichkeit bringt ein konventionell geprägtes Menschenbild erheblich ins Wanken.

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